Zwischen Ostern und Mini-Dinos
Vor einigen Jahren haben meine Eltern eine kleine Ostertradition ins Leben gerufen, die bis heute fรผr groรe Freude sorgt: Beim Familientreffen bekommt jeder ein รberraschungsei โ ganz egal, ob Kind oder lรคngst erwachsen.
Und obwohl man wohl kaum noch auf die Idee kรคme, so etwas fรผr sich selbst zu kaufen, liegt genau darin der groรe Zauber. Dieses kurze Zurรผckversetzen in die eigene Kindheit, das neugierige Auspacken, das konzentrierte Zusammenbauen โ ein kleines, fast stilles Fest im groรen Ostertrubel.
In diesem Jahr stand alles im Zeichen der Dinosaurier. Aus fast jedem Ei purzelte ein kleines Urzeitwesen, mal mehr, mal weniger detailreich, aber immer mit einem gewissen Charme. Und wรคhrend am Tisch gebaut, gelacht und verglichen wurde, fiel mir auf, wie perfekt dieser Moment zu einer ganz anderen, noch recht neuen Anschaffung passte.
Denn seit Kurzem begleitet mich das Panasonic Leica DG Summilux 9mm F1.7 ASPH (H-X09) โ ein Objektiv, das mit seiner extrem kurzen Naheinstellgrenze von rund neun Zentimetern wie gemacht dafรผr ist, auch kleinste Motive groร rauszubringen. Und was kรถnnte besser geeignet sein als eine Horde frisch geschlรผpfter Mini-Dinosaurier โ zumal zuhause bereits der nรคchste kleine Dino-Fan begeistert die Hรคnde nach ihnen ausstreckt.
Bevor ich euch aber zeige, wie sich diese ungewรถhnliche Kombination aus Ostern, Kinderspielzeug und High-End-Optik in Bildern schlรคgt, lohnt sich ein kurzer Blick auf das Objektiv selbst.



Das Leica DG Summilux 9mm F1.7 –
ist ein lichtstarkes Ultraweitwinkel-Festbrennweitenobjektiv fรผr das Micro-Four-Thirds-System. Mit einer Kleinbildรคquivalenz von 18 mm positioniert es sich klar im Bereich klassischer Landschafts-, Architektur- und Reportageoptiken โ erweitert dieses Spektrum jedoch durch eine ungewรถhnlich starke Nahfokussierung in Richtung โWide-Angle-Makroโ.
Obwohl es sich beim 9mm F1.7 nicht um ein klassisches Makroobjektiv handelt, erรถffnet seine sogenannte โHalf-Macroโ-Charakteristik einen fotografisch รคuรerst reizvollen Spielraum. Die sehr kurze Naheinstellgrenze von nur 9,5 cm erlaubt es, Motive aus nรคchster Nรคhe einzufangen, ohne dabei den Hintergrund auszublenden. Statt isolierter Detailstudien entstehen Bilder, die Motiv und Umgebung gleichzeitig erfassen โ eine Kombination aus Makro und Kontext, die visuell deutlich erzรคhlerischer wirkt.
Gerade die Ultraweitwinkel-Perspektive verstรคrkt diesen Effekt zusรคtzlich: Objekte im Vordergrund werden รผberproportional groร dargestellt, wรคhrend sich der Hintergrund in die Tiefe zieht. Diese ausgeprรคgte Tiefenstaffelung sorgt fรผr eine Dynamik, die mit klassischen Makrobrennweiten im Bereich von 60 bis 100 mm so nicht erreichbar ist. Das Bild wirkt nicht nur plastischer, sondern gewinnt auch an rรคumlicher Spannung.
Trotz des weiten Bildwinkels ermรถglicht die hohe Lichtstรคrke von f/1.7 in Kombination mit der geringen Aufnahmeentfernung eine รผberraschend effektive Freistellung. Im Nahbereich entsteht ein weiches, angenehmes Bokeh, das das Hauptmotiv subtil vom Hintergrund abhebt, ohne diesen vollstรคndig verschwinden zu lassen.
Genau hier liegt die eigentliche Stรคrke dieses Objektivs: Es verschiebt den Fokus von reiner Detailabbildung hin zu visuellem Storytelling. Anstatt Motive zu isolieren, bindet es sie bewusst in ihre Umgebung ein โ und schafft so Bilder, die nicht nur zeigen, sondern erzรคhlen.
Ein Ostermontag im Zeichen des Bรผhnenbilds
Der Ostersonntag war kaum verklungen, da hielt mit dem Ostermontag eine ganz andere Stimmung Einzug: ruhiger, langsamer, fast schon nachdenklich. Bei einem langen Spaziergang, irgendwo zwischen frischer Frรผhlingsluft und knirschenden Wegen, begann eine Idee Form anzunehmen. Wรคhrend andere einfach nur die Natur genossen, wanderte mein Blick suchend รผber den Boden โ und ehe ich mich versah, fรผllten sich meine Taschen mit kleinen Schรคtzen: Stรถckchen, Steine, Moos, ein wenig wildes Grรผn. Sorgfรคltig verstaut in simplen Gefrierbeuteln.
Fรผr Auรenstehende mag das nach einer leicht skurrilen Sammelaktion ausgesehen haben. Fรผr mich war es Teil einer klaren Mission: Ein Bรผhnenbild zu erschaffen. Eine kleine Welt fรผr die Mini-Dinosaurier โ und vor allem fรผr den grรถรten Dino-Fan zuhause, dessen Augen ich damit zum Leuchten bringen wollte.
Mit schmutzigen Fingern, aber umso grรถรerer Vorfreude kehrten wir zurรผck. Kaum durch die Tรผr, verwandelte sich der Esstisch in ein improvisiertes Studio. Hintergrรผnde wurden kurzerhand gedruckt, Untergrรผnde arrangiert, Lichtquellen ausgerichtet. Die Kamera lag bereit โ und an meiner Seite: mein wohl strengster, aber auch ehrlichster Kritiker, der mit Argusaugen darรผber wachte, dass seinen geliebten Dinos auch ja nichts zustieร.
Was folgte, war ein spielerisches Ausprobieren, ein vorsichtiges Herantasten. Perspektiven finden, Licht verstehen, Szenen zum Leben erwecken. Und nach ein wenig Nachbearbeitung stand es schlieรlich da: das Ergebnis dieser kleinen Reise.
Vielleicht noch unbeholfen, vielleicht noch nicht perfekt โ aber genau darin lag der Zauber. Meine ersten, tapsigen Schritte in eine neue Welt: irgendwo zwischen Produkt- und Makrofotografie, getragen von Neugier, Kreativitรคt und einer guten Portion kindlicher Begeisterung.




Der Bogen zurรผck zum Foto-Blog
Eigentlich hรคtte ich es an dieser Stelle gut sein lassen kรถnnen โ die Dino-Szenen im Miniaturformat waren im Kasten, die ersten Gehversuche im Makrobereich gemacht. Und doch gibt es da noch eine weitere, ganz besondere Ergรคnzung zu dieser kleinen fotografischen Reise, die ich nicht unerwรคhnt lassen mรถchte.
Denn parallel dazu zog ein Stรผck Fotogeschichte bei mir ein. Getrieben von Neugier โ und vielleicht auch ein wenig von nostalgischer Faszination โ habe ich mich vor einiger Zeit auf die Suche nach alten MD-Objektiven gemacht. Also jenen Linsen, die einst fรผr die klassischen Minolta-Kameras der 70er und 80er Jahre gebaut wurden. Dank eines bereits vorhandenen Adapterrings auf MFT war die technische Hรผrde schnell genommen โ und der Weg frei fรผr einen Ausflug in die analoge Vergangenheit, kombiniert mit moderner Technik.
Vor wenigen Wochen bin ich dann fรผndig geworden: ein EXAKTA 28mm f/2.8 Macro, laut Verkรคufer ein nahezu ungenutzter Fehlkauf. Schon der Kontakt war angenehm, offen und vertrauensvoll โ und als mir das Objektiv zu einem wirklich fairen Preis angeboten wurde, musste ich nicht lange รผberlegen.
Solche Momente sind es, die den Reiz am Gebrauchtmarkt ausmachen. Man kauft nicht einfach nur ein Objektiv โ man bekommt ein Stรผck Geschichte, oft gepaart mit einer Verarbeitungsqualitรคt, die heute in dieser Form selten geworden ist. Metall, Mechanik, Haptik โ alles wirkt greifbarer, ehrlicher.
Drei Tage spรคter hielt ich es bereits in den Hรคnden. Und was soll ich sagen: makellos. Kein Kratzer, kein Spiel, kein Makel. In einer Zeit, in der โwie neuโ oft eine sehr dehnbare Beschreibung ist, hat mich diese Ehrlichkeit wirklich beeindruckt.
Vielleicht liest der Verkรคufer das hier nie โ aber an dieser Stelle trotzdem: Danke. Fรผr das Vertrauen, fรผr die Fairness und fรผr dieses kleine Stรผck Fotogeschichte, das nun seinen Weg in meine Bilder gefunden hat.
Ich fasse es mal mรถglichst kurz zusammen.
Das EXAKTA 28mm f/2.8 Macro –



ist ein klassisches Weitwinkelobjektiv aus der analogen รra, das den typischen Charme vieler Drittanbieter-Linsen der 70er- und 80er-Jahre in sich vereint. Entwickelt fรผr 35mm-Filmkameras und meist als manuelles Objektiv mit unterschiedlichen Bajonetten (hรคufig Pentax K oder รคhnliche Varianten) vertrieben, steht es exemplarisch fรผr eine Zeit, in der robuste Mechanik und vielseitige Einsatzmรถglichkeiten im Vordergrund standen.
Mit seiner Brennweite von 28 mm deckt es einen klassischen Weitwinkelbereich ab, der sich besonders fรผr Reportage, Alltagsszenen und Umweltportrรคts eignet. Die Lichtstรคrke von f/2.8 ist dabei typisch fรผr diese Objektivklasse und ermรถglicht eine solide Balance aus Lichtausbeute und kompakter Bauweise. Die Blende reicht in der Regel bis etwa f/22, gesteuert รผber einen mechanischen Blendenring mit klar definierten Rastungen.
Charakteristisch fรผr dieses Modell ist die integrierte Makro-Funktion, die fรผr ein 28mm-Objektiv ungewรถhnlich ist. Zwar erreicht es keinen echten 1:1-Maรstab, erlaubt aber deutlich kรผrzere Fokusdistanzen als klassische Weitwinkelobjektive und bewegt sich damit im Bereich eines โPseudo-โ oder โHalf-Makrosโ. Genau diese Eigenschaft macht es fotografisch interessant: Motive lassen sich vergleichsweise nah aufnehmen, wรคhrend gleichzeitig viel Umgebung im Bild bleibt โ ein Stilmittel, das heute oft bewusst fรผr โEnvironmental Macroโ eingesetzt wird.
Ich kรถnnte nun noch weiter ausholen, mรถchte an dieser Stelle jedoch lieber den Bildern Raum geben, fรผr sich zu sprechen:







Am Ende zeigt sich immer wieder: Es ist nicht das Alter einer Optik, das รผber die Qualitรคt eines Bildes entscheidet. Vielmehr sind es der Blick, das Gefรผhl fรผr den Moment und die Freude am Ausprobieren, die Fotografie lebendig machen. Und manchmal entstehen die schรถnsten Aufnahmen genau dann, wenn man vermeintlich โaltemโ Equipment eine neue Bรผhne gibt.
Mit diesen Gedanken neigt sich unsere kleine fotografische Osterreise nun ihrem Ende zu. Was bleibt, sind nicht nur Bilder von Mini-Dinosauriern oder erste Schritte im Makrobereich, sondern vor allem Erinnerungen โ an gemeinsame Zeit, an kleine Traditionen und an diese besonderen Momente, die man nicht planen kann.
An dieser Stelle mรถchte ich โ auch wenn es sonst nicht ganz meine Art ist โ einfach einmal Danke sagen. Danke an all jene, die uns begleiten, unterstรผtzen und diesen Ostersonntag mit uns geteilt haben. Es war mehr als nur ein Treffen. Es war, im besten Sinne, ein Fest.
In diesem Sinne: Bleibt neugierig, haltet die Augen offen โ und vor allem:
Keep shooting!
Lars
