Hamburg โ der Gedanke an diese Stadt weckt unzรคhlige Assoziationen: die namensgebende Hanse, die Speicherstadt, St. Pauli, der Jungfernstieg, die Elbphilharmonie, Musicals, Astra, der HSV und natรผrlich das Rotlichtviertel.
Ich gebe es ehrlich zu: Beruflich war ich bereits mehrfach in Hamburg. Viel mehr als den Flughafen, den Hauptbahnhof und das Hotelzimmer habe ich dabei allerdings nie zu Gesicht bekommen.
Das sollte sich in dieser Woche glรผcklicherweise รคndern.
Das geht ja gut los…
Nach getaner Arbeit entschied ich mich fรผr die schnellste, gรผnstigste und selbstverstรคndlich auch zuverlรคssigste Art, von A nach B zu kommen: die Deutsche Bahn.
Bis zur nรคchsten S-Bahn-Station war es nicht weit, das Tagesticket war schnell gekauft und schon saร ich in der S1. Dort erfuhr ich per Durchsage allerdings, dass der Zug heute nur bis zum Berliner Tor fรคhrt. Ernรผchterung.
Immerhin hatten die Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Bahn freundlicherweise einen Ersatzzug organisiert, sodass man an der neuen Endstation zรผgig umsteigen und die Fahrt bis zum Hamburger Hauptbahnhof fortsetzen konnte.
Dort angekommen, begrรผรten mich die รผblichen Menschenmassen โ und eine weitere Durchsage, dass der ICE nach Mรผnchen heute ausfรคllt. Ich weiร schon, warum ich inzwischen lieber mit dem Auto nach Hamburg fahre.
Trotzdem ist der mittlerweile รผber 120 Jahre alte Hauptbahnhof ein รคuรerst spannender Fotospot. Vor allem die markante Stahlkonstruktion, die Wandelhalle am Nordende und die imposante Bahnsteighalle mit ihren acht Fernbahngleisen machen das Gebรคude zu einem lohnenden Motiv.


Mit der Kamera รผber der Schulter zog es mich anschlieรend in Richtung Binnenalster.
Vermutlich nahm ich den einen oder anderen ungeplanten Umweg und fand mich schnell in diversen Einkaufsstraรen wieder, die sich kaum von denen anderer deutscher Groรstรคdte unterscheiden. Hier reiht sich eine hochpreisige Modekette an die nรคchste, รผberteuerter Touristenkitsch โMade in Chinaโ wird an jeder Ecke angeboten und die schier unendliche Auswahl an Backwaren lรคsst selbst eingefleischten Blรคtterteig-Connaisseurs die Ohren vor Freude schlackern.
Nach mehreren falschen Abbiegungen kam schlieรlich auch das ersehnte Nass mit seiner berรผhmten Alsterfontรคne in Sicht.
Fรผr alle, die sich fรผr solche Details begeistern: Vorbild der 1987 in Betrieb genommenen Alsterfontรคne ist der Jet d’Eau auf dem Genfer See. Mit rund 140 Metern erreicht dieser allerdings etwa die doppelte Hรถhe seines Hamburger Pendants.

Schรถn ist es hier โ das muss ich wirklich zugeben. Allerdings ist selbst unter der Woche erstaunlich viel los.
Mein Weg fรผhrte mich entlang des Ufers weiter in Richtung Jungfernstieg. Die historischen Gebรคude im Stil des hanseatischen Historismus verleihen der Binnenalster ein ganz besonderes Flair. Groรe Namen wie Hapag-Lloyd, Chevron oder Apple โ zumindest in Form ihrer weltbekannten Logos โ zieren die Fassaden. Von hier aus erreicht man auch das traditionsreiche Premium-Kaufhaus Alsterhaus.




Links: Binnenalster mit dem Heinrich-Hertz-Turm im Hintergrund
Rechts: Fairmont Hotel – Vier Jahreszeiten
Unten: Fischbrรถtchendieb
Vom Jungfernstieg zum Rathaus
Richtet man den Blick vom Jungfernstieg nach Sรผdwesten, fรคllt sofort das Hamburger Rathaus mit seinem 112 Meter hohen Turm ins Auge. Es wirkt deutlich รคlter, als es tatsรคchlich ist, denn es entstand zwischen 1886 und 1897 im Stil der Neorenaissance.
Heute beherbergt das Gebรคude auf vier Etagen insgesamt 647 Rรคume und steht am sogenannten Rathausmarkt. Historikern zufolge handelt es sich bereits um das sechste Rathaus der Stadt. Seine Vorgรคnger fielen unter anderem verheerenden Stadtbrรคnden zum Opfer.

Den Zweiten Weltkrieg รผberstand das Rathaus beinahe wie durch ein Wunder grรถรtenteils unbeschadet. Der Hamburger Hauptbahnhof hingegen wurde wรคhrend der alliierten Luftangriffe im Rahmen der Operation Gomorrha schwer beschรคdigt.


Die Speicherstadt
Was eigentlich mein persรถnliches Highlight werden sollte, entwickelte sich leider zu meiner grรถรten Enttรคuschung.
Da ich die Speicherstadt bislang nie besucht hatte oder mich zumindest nicht daran erinnern konnte, waren meine Erwartungen entsprechend hoch. Ich freute mich auf einen historischen Spaziergang zwischen Kontorhรคusern, Fleeten und den alten Backsteinspeichern.


Leider wurden viele der historischen Gebรคude von ca. 1888 bis 1927 in modern anmutende Wohnkomplexe, Designstudios oder Bรผroflรคchen umgebaut. Der Charme der Backsteingebรคude besteht zwar noch immer, doch bei einem Blick durch die Fenster wird schnell klar, dass die eigentliche Seele des Freihafens die alten Gemรคuer lรคngst verlassen hat.
Natรผrlich gibt es auch heute noch zahlreiche Museen und Ausstellungen, die an die ursprรผngliche Nutzung erinnern. Fรผr mich persรถnlich war die Speicherstadt dennoch nicht das Erlebnis, das ich mir im Vorfeld erhofft hatte.
Fรผr das weltbekannte Miniatur Wunderland oder den Hamburg Dungeon blieb leider keine Zeit. Stattdessen wollte ich unbedingt noch das wohl bekannteste Prestigeprojekt der HafenCity besuchen: die Elbphilharmonie.
Und auch dort wartete eine kleine รberraschung auf mich.

Die Elbphilharmonie โ oder einfach โdie Elphiโ
Der 11. Januar 2017 markierte die Erรถffnung der Elbphilharmonie โ insgesamt sieben Jahre spรคter als ursprรผnglich geplant.
Der Prestigebau ruht auf dem ehemaligen Kaispeicher A und kostete am Ende rund 866 Millionen Euro. Mit seinem geschwungenen Glasaufbau soll das Gebรคude an Wellen oder ein Segel erinnern.
Dass die Elbphilharmonie heute zu den modernen Wahrzeichen Hamburgs gehรถrt, steht auรer Frage. Auch die Verbindung aus historischem Backsteinsockel und zeitgenรถssischer Architektur springt dem Besucher sofort ins Auge.
Dennoch stellten sich mir beim Betrachten zwei oder drei Detailfragen.
Wer kam beispielsweise auf die Idee, sรคmtliche Einfahrten des Parkhauses so prominent direkt vor dem Gebรคude zu platzieren? Dadurch wirkt der gesamte Eingangsbereich fรผr mein Empfinden zerstรผckelt und erstaunlich wenig harmonisch.
Auch der Zugang zum Westin-Hotel sowie der Eingang zur langen Rolltreppe, die auf die Plaza fรผhrt, gehen in der ansonsten imposanten Fassade beinahe unter. Und schlieรlich wirft auch das erstaunlich klein geratene Kassenhรคuschen fรผr die Plaza-Tickets gewisse Fragen auf.
Vielleicht fehlt mir einfach der Blick fรผr moderne, minimalistische Architektur. Mรถglich ist das durchaus.
Letztlich ist Architektur ebenso Geschmackssache wie Fotografie.
Eines steht jedoch auรer Frage: Die โElphiโ ist ein absoluter Fotomagnet.
Zu gern hรคtte ich die Glasfassade wรคhrend der goldenen Stunde erlebt. Dafรผr reichte die Zeit leider nicht. Ihr mรผsst euch deshalb mit den folgenden Aufnahmen begnรผgen.




Mit dem Besuch am Kopfende der HafenCity neigte sich mein kleiner Hamburg-Ausflug schlieรlich dem Ende entgegen.
Der Rรผckweg verlief erfreulich unkompliziert und erstaunlich effizient โ eine Erfahrung, die im Zusammenhang mit dem รถffentlichen Nahverkehr fast schon erwรคhnenswert ist. Ehe ich mich versah, saร ich wieder im Hotel.
Was bleibt, sind Eindrรผcke, mit denen ich so nicht gerechnet hatte, einige kleine รberraschungen und eine insgesamt sehr gepflegte deutsche Groรstadt, die sich an vielen Stellen den Charme vergangener Zeiten bewahrt hat.
Ich bin und bleibe zwar grundsรคtzlich kein Freund von Groรstรคdten, kann aber abschlieรend sagen:
Nobel geht die Welt zugrunde โ in Hamburgs Fall eben nordisch nobel.
In diesem Sinne: Keep shooting!
Lars
